Fred Toplak - UC NRW | Ultralauf Challenge Nordrhein-Westfalen
Ultralauf Challenge NRW
Besuche die UC NRW auf Facebook
UC-NRW Rangliste

Fred Toplak

Fred Toplak Fred Toplak

Gab es ein Leben vor dem Laufen?
Fred Toplak aus Herten / Nordrhein-Westfalen war früher im Prinzip lauflos unterwegs. Das änderte sich mit einem "Auslöser" 2012.

www.toplak.de

Gab es ein Leben vor dem Laufen?

Meine sportlichen Interessen beschränkten sich die lFred Toplaketzten 20 Jahre auf das Fallschirmspringen, wozu nicht wirklich Ausdauer oder Kondition benötigt wird, man ist halt schnell unterwegs im freien Fall und am Schirm, manchmal extrem. Nach meinen Jugendaktivitäten, habe ich in den zurückliegenden, über 40 Jahren keinen Sport mehr ausgeführt. Laufen fand ich schon in der Schulzeit doof. Mein Hauptinteresse galt schon immer meiner Familie und meiner Werbeagentur, also meinem Job. Beides hatte meine volle Aufmerksamkeit, da war keine Zeit und kein Platz für Sport. Körperlich und mental lebte ich im Selbstbetrug und einer konstanten Kurzatmigkeit. Ja, kleinste Treppen verlangten mir viel ab, auch schon mal ein kurze Pause. Meine jüngeren Kinder zeigten mir unbewusst, immer öfters körperliche Grenzen auf. Unangenehm wurde es mir erst bei gelegentlichen Betrachtungen des Spiegelbildes, was immer weniger meinem Bild von mir, vor meinem geistigen Auge entsprach. Der Mensch kann sich schon einiges schön denken. Im Nachhinein betrachtet, kann ich für mich behaupten, ist hier irgendwann bereits der Keim, der Drang zur Veränderung gewachsen. Was noch fehlte, war der „Auslöser".

 

Jede Veränderung hat meiner Meinung nach einen individuellen „Auslöser". Meiner war im November 2012, ein Fahrradsturz, bei der ich mir meine linke Schulter förmlich zerlegte. Es folgten drei Operationen, um den Trümmerhaufenzu stabilisieren wurde eine Platte eingebaut. Meine Beweglichkeit, meine Mobilität, wurde dadurch sehr stark eingeschränkt. Unabhängig des selbst heute noch vorFred Toplakhandenen Dauerschmerzes, war ich zu diesem Zeitpunkt kaum in der Lage, selbständig ein T-Shirt auszuziehen. Meine Frustrationsgrenze sank mit jedem Tag und näherte sich im Frühjahr 2013 einer „Depression". Zumindest stellte ich mir in dieser Zeit das Abrutschen in diese Krankheit Depression so vor.

 

Ich wohne direkt an der Bertlicher Laufstrecke – und bis Februar 2013 konnte ich kein Verständnis für Menschen aufbringen, die mit Schnappatmung in Laufklamotten drei Mal im Jahr an meinem Haus vorbei liefen. In den Wochen davor, hatte ich bei Spaziergängen mit meinem Hund, ein gutes Gefühl, wenn ich mal durch den Wald gerannt bin, nur kurz natürlich. Ohne wirkliche Vorstellung was Laufen ist, meldet ich mich bei den Bertlicher Straßenläufen für die 7.5 km Distanz an. Da ich keine Vorstellung hatte, hatte ich auch keinen Respekt davor und lief einfach drauf los. Bereits kurz nach dem Start, überkam mich das schleichende Gefühl, gleich zu „sterben“. Das Gefühl hielt bis zur Finisherlinie an und gefühlt bin ich bis dahin mehrmals gestorben. Aber irgendwie, es könnte das Fünkchen Ehrgeiz in mir gewesen sein, habe ich es geschafft. Die Zeit möchte ich hier nicht nennen, war mir auch egal. Oder doch nicht? Anschließend konnte ich mich zwei Tage nur schleppend bewegen, alles schmerzte. Aber, irgendwas hat es in mir ausgelöst. Heute glaube ich, war es das Überschreiten einer Grenze, die ich vorher nicht kannte. Heute weiß ich, dass es das war. Ich hatte eine innere Befriedigung gefunden, indem ich mich auf ein Ziel fokussierte. Das Ziel hieß schlicht – es zu schaffen.

 

Im Mai 2012 startete ich „ohne Training" dannbei meinem ersten Marathon – VivaWest 2013. ich wollte für mich herausfinden, wie weit kann man, wie weit kann ich laufen, bis ich „sterbe“. Natürlich nicht wirklich, ich liebe das Leben. Aber das ist die Brücke – körperlich und mental alles zu geben, bis zur totalen Erschöpfung. Meine Familie und auch meine Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt reichlich irritiert, wo das mit mir hinführen wird. Kurz – ich musste nicht wie erwartet abbrechen, ich habe den Marathon gefinisht und kam am Folgetag nicht aus dem Bett oder später Treppen nur rückwärts und mit großen Schmerzen rauf und runter. Unglaublich was da alles wehtun kann. Um es abzukürzen – ich lief dann 2013 fast jedes Wochenende ein, zwei Läufe 5er, 10ner, HM und Marathon – alles was der Laufkalender so hergab. Ich lief 2013 aus dem Stand in 10 Monaten über 2500 km. Entwickelte mein Körpergefühl, machte Fehler, hörte auf Ratschläge oder auch nicht. Alles war gut. Im Jahr 2014 verliebte ich mich in Bergläufe und längere Läufe. Dies forderte mich noch mehr, körperlich wie mental. In dieser Zeit begann das „Übertreiben" – ich nannte es: Ich bin unsterblich und es läuft.

 

Mein „Gewicht“ reduzierte ich innerhalb von 6 Monaten vom über 87 kg auf den tiefsten Punkt mit 59 Kg bei 173 cm Körpergröße. Durch den schnellen „Verfall„ – dachten Menschen irgendwann wirklich ich sterbe gleich. Das war aber nur eine kurze Episode in meiner Entwicklung, auch wenn ich dadurch zwischenzeitlich Menschen mit Magersucht besser verstehen konnte, denn die Grenzen können fließend sein. Doch ich war mir der Dinge genau bewusst, ich hatte Ziele. Ein Ziel war - Dinge die ich mir vorgenommen hatte, anzugehen und zu EndFred Toplake zu bringen. Das gab mit ein gutes Gefühl, ja sogar ein wenig erhaben, ein Hochgefühl. Ich konnte in meinem „vorherigen Leben" viel Dinge gut. Nachdem ich die ersten Bergläufe um die 100 km, mit zum Teil über 5000 Höhenmeter gefinisht hatte – machte sich zum ersten Mal das Gefühl in mir breit:

 

Da ist etwas, was du sehr gut kannst. Und damit meine ich nicht den Drang auf ein Treppchen zu laufen, nein – realistisch sehe ich das schon, schlicht das Gefühl etwas in meinen Möglichkeiten sehr gut gemacht zu haben. Es wäre nicht korrekt zu behaupten, Laufen hat mein Leben und das Leben meines direkten Umfeldes nicht verändert. Das Gegenteil liegt näher an der Wahrheit – nachdem ich mich mehr den sehr langem Läufen, möglichst in einsamer Natur, möglichst in und auf Bergen verschrieben habe, fühle ich mich ausgeglichener, irgendwie übersichtlicher, oder auch ruhiger – ok, da bin ich wohl noch nicht ganz so weit. Der Natur ganz nahe zu sein, Gebiete und Landschaften zu erlaufen, die ich sonst in meinem Leben nie gesehen hätte, wenn überhaupt, dann nur durch eine Gondelfahrt. Aber es gibt traumhafte Landschaften, da bringt dich keine Gondel oder kein Bus hin – die kannst du dir nur erlaufen. Der eine schneller, der andere langsamer, ganz im Einklang mit der eigenen Seele. Da entstehen Momente, die kann ich nicht in Worte fassen. Manchmal kann ich sie mit der Familie oder Freunden teilen, manchmal sind sie nur für mich. Es bleibt spannend und ich arbeite dran.

 

Das Thema „Veränderung " sei an dieser Stelle auch nur angerissen, vollständig ist es sehr individuell und sehr komplex. Als wichtig empfinde ich, die Familie, den Partner, die Kinder mit zu nehmen, soweit als möglich teilhaben zu lassen. Versuche nie vor etwas weg zu laufen, es holt dich irgendwann sowieso ein. Also versuche ich mit dem Laufen, durch das Laufen – Dinge einen positiven Impuls zu geben. Es ist wichtig, dass „deine Menschen" dich als Läufer ertragen, aushalten können. Auch wenn es manchmal extrem ist.

Ein Unfall, eine Verletzung, eine Krankheit – alles Dinge die kein Mensch braucht. Ich habe ab einem gewissen Zeitpunkt mein Schicksal angenommen, akzeptiert, mich arrangiert und bin für mich neue Wege gegangen. Heute bin ich dem „Auslöser" manchmal ein bisschen dankbar, auch wenn das jetzt grotesk klingt.

 

Fred Toplak
www.toplak.de

 

Anmerkung:
Ende 2012 war der Unfall. Febuar 2013 war sein erster Laufversuch. In 2013 alle zwei Wochen ein Marathon. Dann folgten die ersten 50iger, K-UT 85iger Rennsteig 73iger, ab Sommer 2014 bevorzugt Bergläufe wie zB TAR Etappenlauf, Teneriffa Blue Trail. Ab 2015 vieles über 100 km bis 170km zB Junut. Ab 2016 kommen die 240iger - zuletzt den 239iger Junut mit 7900 Höhenmeter. Im Mai folgt die TTdR 240iger.

 

Fred Toplak
Nils Thies
Arno Sandrock
» weitere Ultraläufer


Laufen in NRW
TorTourdeRuhr - die positiv Bekloppten
Kölnpfad 2016
Trailrunners Börse
Marktplatz für Laufer
Laufen in OWL

 
DUV
Olafs Laufladen
Toplak
Wrightsock